Wissenswertes rund um Hundeernährung und Hundefutter

Informative Blogbeiträge

In diesem Blog teile ich mein Wissen aus der Praxis als Hundetrainerin und Ernährungsberaterin für Hunde. In meiner täglichen Arbeit mit Hunden und ihren Haltern begegnen mir immer wieder ähnliche Probleme: überdrehte Welpen, empfindliche Verdauung, Durchfall oder Wachstumsprobleme. Häufig spielt dabei die Ernährung eine entscheidende Rolle.

Viele industriell hergestellte Futtermittel enthalten hohe Anteile an Kohlenhydraten oder minderwertige Proteinquellen. In diesem Blog geht es deshalb um natürliche Hundeernährung, hochwertige Zutaten im Hundefutter und typische Ernährungsprobleme bei Hunden.

Du findest hier praktische Tipps aus der Hundeschule, Hintergrundwissen zur Hundeernährung und hilfreiche Informationen für Hundehalter, die ihre Hunde bewusst, natürlich und hochwertig ernähren möchten.

Calcium und Phosphor im Hundefutter – warum der Bedarf vom Alter abhängt

Calcium und Phosphor gehören zu den wichtigsten Mineralstoffen in der Hundeernährung. Beide sind für den Aufbau und die Erhaltung des Skeletts notwendig, übernehmen aber auch weitere Aufgaben im Körper.

Entscheidend ist dabei nicht, möglichst viel davon zu füttern. Sowohl eine Unterversorgung als auch eine Überversorgung kann problematisch sein. Besonders während des Wachstums ist eine bedarfsgerechte Versorgung wichtig, denn ein Welpe hat andere Anforderungen als ein ausgewachsener Hund. Im Seniorenalter verändern sich die ernährungsphysiologischen Schwerpunkte wiederum.

Warum braucht der Hund Calcium und Phosphor?

Calcium ist vor allem als Bestandteil von Knochen und Zähnen bekannt. Darüber hinaus wird es unter anderem für die normale Funktion von Muskeln und Nerven benötigt.

Phosphor ist ebenfalls Bestandteil des Skeletts und spielt zusätzlich eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel und bei zahlreichen Zellfunktionen.

Beide Mineralstoffe arbeiten eng zusammen. Sie werden gemeinsam für die Mineralisierung des Skeletts benötigt und beeinflussen sich gegenseitig im Stoffwechsel.

Das bedeutet jedoch nicht, dass sich die Ernährung allein über ein bestimmtes Calcium-Phosphor-Verhältnis beurteilen lässt. Entscheidend sind die tatsächliche Versorgung mit beiden Mineralstoffen, ihre Verfügbarkeit und die Lebensphase des Hundes.

Was passiert bei einem Calciummangel?

Bei einer länger andauernden oder ausgeprägten Unterversorgung kann der Körper Calcium aus den Knochen mobilisieren, um den Calciumspiegel im Blut aufrechtzuerhalten. Dadurch kann die Mineralisierung des Skeletts beeinträchtigt werden.

Besonders problematisch ist das bei wachsenden Hunden, weil gleichzeitig neue Knochenmasse aufgebaut werden muss. Schwere Fälle einer Calciumunterversorgung sind beispielsweise bei jungen Hunden beschrieben, die ausschließlich mit knochenlosem Fleisch gefüttert wurden. Dabei kam es zu einer deutlichen Entmineralisierung des Skeletts und teilweise zu pathologischen Knochenbrüchen.

Auch zu viel Calcium kann problematisch sein

Bei Calcium gilt deshalb nicht „je mehr, desto besser“.

Gerade wachsende Hunde können überschüssiges Calcium nicht in gleicher Weise regulieren wie erwachsene Tiere. Eine übermäßige Calciumversorgung kann die Regulation von Calcium und Phosphor beeinflussen und die Entwicklung des Skeletts beeinträchtigen.

Wie hoch der Bedarf tatsächlich ist, hängt dabei unter anderem vom Alter, der Körpergröße und der Wachstumsphase ab. Untersuchungen zeigen, dass pauschale Empfehlungen den Bedarf bestimmter Alters- und Größenklassen teilweise deutlich überschätzen können.

Welche Lebensmittel enthalten Calcium?

Calcium kommt in der natürlichen Ernährung vor allem in Knochen und Knochenbestandteilen vor. Auch Milchprodukte wie beispielsweise Joghurt oder Hüttenkäse enthalten Calcium.

Bei pflanzlichen Lebensmitteln sind unter anderem grünes Blattgemüse, Brokkoli und Samen calciumhaltig. Die enthaltene Menge und die Verfügbarkeit des Calciums unterscheiden sich jedoch deutlich.

Phosphor ist dagegen in vielen tierischen Lebensmitteln enthalten. Besonders Fleisch, Innereien, Fisch und Milchprodukte liefern Phosphor. Auch Eier enthalten relevante Mengen.

Dadurch wird deutlich, dass Calcium und Phosphor in unterschiedlichen Lebensmitteln vorkommen und bei der Zusammenstellung einer Ration gemeinsam betrachtet werden müssen.

Phosphor wird häufig unterschätzt

Phosphor ist ebenso wichtig wie Calcium und wird für die Entwicklung des Skeletts benötigt. Ein Mangel kann insbesondere im Wachstum deutliche Folgen haben.

In einer Untersuchung mit wachsenden Hunden führte eine stark phosphorreduzierte Ernährung bei mehreren Tieren unter anderem zu beeinträchtigtem Appetit und Wachstum sowie Veränderungen an Haut und Fell. Bei einigen Hunden traten außerdem deutliche Störungen des Bewegungsapparates und der Muskelkraft auf. Nach der Umstellung auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichender Phosphorversorgung erholten sich die betroffenen Tiere vollständig.

Das zeigt auch, warum man Calcium und Phosphor nicht isoliert betrachten sollte: Nicht nur ein Mangel, sondern auch das Zusammenspiel beider Mineralstoffe ist für die Entwicklung wichtig.

Warum ist die Versorgung im Wachstum besonders wichtig?

Ein erwachsener Hund muss sein bestehendes Skelett und seine Körperfunktionen erhalten. Ein Welpe befindet sich dagegen mitten im Aufbau: Knochen wachsen, werden mineralisiert und verändern ihre Struktur.

Der Bedarf verändert sich außerdem während des Wachstums. Eine Untersuchung der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigte, dass bisherige Berechnungsmethoden für Calcium und Phosphor je nach Alter und erwarteter Körpergröße teilweise deutlich voneinander abweichen. Bei Calcium wurde der Bedarf in bestimmten Gruppen um bis zu knapp 60 Prozent überschätzt. Die Autoren weisen deshalb darauf hin, dass der Mineralstoffbedarf wachsender Hunde nicht über eine einzige pauschale Zahl beschrieben werden kann.

Besonders bei Welpen großer und sehr großer Rassen ist deshalb eine bedarfsgerechte Ernährung wichtig.

Und was gilt für erwachsene Hunde?

Ist ein Hund ausgewachsen, entfällt der zusätzliche Bedarf für den Aufbau des Skeletts. Calcium und Phosphor werden aber weiterhin für die Erhaltung des Knochengewebes und verschiedene Stoffwechselvorgänge benötigt.

Bei einem gesunden erwachsenen Hund steht deshalb die bedarfsgerechte Erhaltung im Vordergrund.

Was verändert sich bei älteren Hunden?

Auch beim Senior gibt es keine pauschale Empfehlung, Calcium oder Phosphor grundsätzlich stark zu reduzieren oder zu erhöhen. Für gesunde ältere Hunde bleibt eine bedarfsgerechte Versorgung entscheidend.

Anders kann es bei bestimmten Erkrankungen aussehen. Insbesondere bei einer Nierenerkrankung kann die Phosphorversorgung Teil einer individuell abgestimmten tierärztlichen Ernährung sein. Das ist jedoch eine medizinische Ernährungssituation und keine allgemeine Empfehlung für jeden Seniorhund.

Quellen

  • FEDIAF – Nutritional Guidelines for Cats and Dogs, Version 2025
    FEDIAF Nutritional Guidelines
  • Böswald et al. (2019): Factorial calculation of calcium and phosphorus requirements of growing dogs
    Studie bei PLOS One / PMC
  • Kiefer-Hecker et al. (2018): Effects of low phosphorus supply on musculoskeletal development of growing dogs
    PubMed
  • Kiefer-Hecker et al. (2018): Effects of low phosphorus intake on Calcium- und Phosphorstoffwechsel
    PubMed
  • Nowak et al. (2024): Nutritional secondary hyperparathyroidism bei Hunden nach ausschließlicher Fütterung von knochenlosem rohem Fleisch
    PubMed
  • Krook & Whalen (2010): Nutritional secondary hyperparathyroidism bei ausschließlich mit knochenlosem Fleisch gefüttertem Welpen
    PubMed

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