Nassfutter oder Trockenfutter – was ist für Hunde besser?
Trockenfutter ist praktisch. Es lässt sich einfach portionieren, gut lagern, problemlos transportieren und ist häufig günstiger als hochwertiges Nassfutter. Genau deshalb ist es aus unserem Alltag kaum wegzudenken.
Aber ist es deshalb auch die beste Ernährungsform für einen Hund?
Wenn man nicht nur auf die Verpackung, sondern auf die tatsächliche Verwertung der Nahrung schaut, lohnt sich ein genauerer Blick.
Denn entscheidend ist nicht allein, was im Napf liegt. Entscheidend ist, was davon beim Hund ankommt.
Wusstest du, dass Trockenfutter nur zu etwa 75 bis 85 Prozent verdaut wird?
Die Verdaulichkeit eines Futters beschreibt vereinfacht gesagt, welcher Anteil der aufgenommenen Nährstoffe vom Körper tatsächlich verdaut und aufgenommen werden kann. Beim Trockenfutter liegt diese Verdaulichkeit durchschnittlich bei etwa 75 bis 85 Prozent. Bei hochwertigem Nassfutter liegt sie deutlich höher. Anouvelle erreicht beispielsweise über 90 Prozent.
Das macht einen erheblichen Unterschied.
Denn je höher die Verdaulichkeit, desto größer ist der Anteil der Nährstoffe, der dem Hund tatsächlich zur Verfügung steht. Das betrifft auch die Proteine: Es reicht nicht, dass ein Futter einen bestimmten Proteingehalt auf dem Etikett ausweist. Entscheidend ist, wie viel davon der Hund tatsächlich aufnehmen und für seinen Körper nutzen kann.
Was nicht verwertet wird, muss den Körper wieder verlassen. Eine hohe Verdaulichkeit zeigt sich deshalb häufig auch an den Ausscheidungen: Je besser ein Futter verwertet werden kann, desto kleiner fällt die Kotmenge in der Regel aus.
Trockenfutter ist ein stark verarbeitetes Lebensmittel
Ein wesentlicher Unterschied zwischen Nass- und Trockenfutter liegt bereits in der Herstellung. Ganz gleich, ob Trockenfutter extrudiert, kaltgepresst oder auf andere Weise hergestellt wird: Am Ende steht ein Produkt mit einem sehr niedrigen Wassergehalt. Die natürliche Feuchtigkeit der Ausgangszutaten wird weitgehend entzogen, damit das Futter haltbar, lagerfähig und in Form von Kroketten oder Pellets stabil bleibt.
Damit unterscheidet sich Trockenfutter grundlegend von einer natürlichen, wasserreichen Nahrung.
Bei der Extrusion wird die Futtermischung unter Druck und Hitze verarbeitet. Beim Kaltpressen wird sie ebenfalls unter Druck verdichtet. Die Verfahren unterscheiden sich hinsichtlich Temperatur und Verarbeitung, am grundlegenden Prinzip des Trockenfutters ändern sie jedoch nichts: Das fertige Futter enthält nur sehr wenig Wasser und ist hoch konzentriert.
Was passiert beim Coating?
Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die nachträgliche Aufwertung des Trockenfutters. Durch die Herstellung und den weitgehenden Entzug von Wasser entsteht zunächst eine trockene, konzentrierte Futtermasse. Damit daraus ein vollwertiges Alleinfuttermittel wird, müssen je nach Rezeptur zahlreiche Nährstoffe ergänzt werden.
Nach dem eigentlichen Herstellungsprozess und dem Abkühlen der Kroketten werden deshalb häufig Fette, Öle, Vitamine, Mineralstoffe und weitere Bestandteile auf die Oberfläche aufgesprüht. Dieser Vorgang wird als Coating bezeichnet. Die Fette und Öle verbessern dabei unter anderem die Energiedichte und Schmackhaftigkeit, während Vitamine und Mineralstoffe dazu beitragen, das Futter ernährungsphysiologisch bedarfsgerecht zu machen.
Das Coating ist damit nicht lediglich eine äußere Veredelung der Kroketten. Es erfüllt eine wichtige Funktion, denn ein Teil der Nährstoffe wird erst nach der eigentlichen Herstellung wieder hinzugefügt. Gleichzeitig bedeutet das, dass bei der Herstellung und Verarbeitung viele natürliche Nährstoffe verloren gehen können und anschließend wieder ergänzt werden müssen.
Hinzu kommt eine Vielzahl weiterer Zusatzstoffe, die je nach Produkt für technologische, ernährungsphysiologische oder sensorische Zwecke eingesetzt werden. Nicht alle dieser Zusatzstoffe sind ernährungsphysiologisch unumstritten. Mehr dazu habe ich bereits in meinem Beitrag „Zusatzstoffe im Hundefutter – was braucht der Hund wirklich?“
Das bedeutet nicht, dass jedes Trockenfutter aufgrund seines Coatings automatisch minderwertig ist. Es zeigt aber einen grundlegenden Unterschied: Bei Trockenfutter wird die ursprüngliche Futtermasse durch Verarbeitung, Trocknung und anschließende Ergänzung zu dem Produkt, das letztlich im Napf landet. Bei einem hochwertigen Nassfutter bleiben die Zutaten dagegen in einer wasserreichen Ration erhalten und werden gemeinsam verarbeitet.
Wenig Wasser im Napf
Trockenfutter enthält üblicherweise weniger als zehn Prozent Wasser. Ein Hund, der ausschließlich Trockenfutter frisst, muss seinen zusätzlichen Flüssigkeitsbedarf deshalb über das Trinken decken.
Das funktioniert bei manchen Hunden problemlos. Andere trinken von sich aus jedoch deutlich weniger, als sie benötigen würden. Gerade deshalb sollte man den Wassergehalt des Futters nicht unterschätzen.
Nassfutter bringt dagegen bereits einen großen Teil des benötigten Wassers mit. Je nach Produkt besteht es zu etwa 70 bis 85 Prozent aus Wasser. Der Hund nimmt die Flüssigkeit also ganz selbstverständlich während der Mahlzeit auf.
Das ist ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Fütterungsformen: Beim Nassfutter gehört die Flüssigkeit ganz selbstverständlich zur Mahlzeit, beim Trockenfutter muss sie zusätzlich aufgenommen werden.
Trockenfutter braucht häufig mehr Kohlenhydrate
Ein weiterer Unterschied liegt in der Zusammensetzung.
Damit aus einer feuchten Rohstoffmischung stabile Kroketten entstehen, benötigt die industrielle Herstellung geeignete stärkehaltige Komponenten. Deshalb enthalten viele Trockenfutter einen erheblichen Anteil an Kohlenhydraten. Mais, Weizen, Reis, Hafer oder Kartoffeln sind typische Beispiele. Wird auf Getreide verzichtet, werden diese Zutaten häufig durch andere stärkereiche Komponenten wie Süßkartoffeln, Tapioka oder Maniok ersetzt.
„Getreidefrei“ bedeutet deshalb nicht automatisch „kohlenhydratarm“.
Der Hund kann Stärke durchaus verdauen. Hunde können Stärke mithilfe ihrer eigenen Verdauungsenzyme bereits im Dünndarm aufspalten und die daraus entstehenden Monosaccharide aufnehmen. Ein Teil der Kohlenhydrate ist jedoch für die körpereigenen Verdauungsenzyme nicht zugänglich. Dazu gehören beispielsweise resistente Stärke und bestimmte Faserstoffe. Diese gelangen in den Dickdarm und werden dort von der Darmmikrobiota fermentiert. Dabei entstehen unter anderem kurzkettige Fettsäuren, die für das Darmmilieu und die Versorgung der Darmzellen von Bedeutung sind.
Entscheidend ist deshalb nicht einfach die Frage, ob ein Hund Stärke verdauen kann. Er kann es. Entscheidend ist vielmehr, wie viel Stärke in welcher Form gefüttert wird, wie stark sie durch die Verarbeitung verändert wurde und welcher Anteil davon den Dickdarm erreicht.
Weniger Protein ist nicht dasselbe wie weniger Nährwert – aber die Proteinquelle zählt
Bei vielen klassischen Trockenfuttern fällt außerdem auf, dass der deklarierte Proteinanteil deutlich niedriger liegt als bei hochwertigen Nassfuttern, wenn man die tatsächliche Zusammensetzung betrachtet.
Dabei darf man sich nicht von den Zahlen auf dem Etikett täuschen lassen. Durch den hohen Wasseranteil eines Nassfutters wirken die analysierten Proteinwerte auf der Verpackung zunächst häufig niedriger. Vergleicht man Futtermittel dagegen auf Trockenmassebasis, wird der Vergleich sinnvoller.
Noch wichtiger ist jedoch die Qualität und Verdaulichkeit der Proteinquelle.
Ein Hund benötigt nicht einfach irgendeine Menge Rohprotein. Er benötigt die darin enthaltenen Aminosäuren in einer geeigneten Zusammensetzung und muss diese auch aufnehmen können.
Deshalb ist ein Futter mit hochwertigem tierischem Protein und hoher Verdaulichkeit ernährungsphysiologisch etwas anderes als ein Futter, dessen Proteinmenge zwar auf dem Papier ausreichend erscheint, dessen Zusammensetzung aber stärker von pflanzlichen Protein- und Kohlenhydratquellen geprägt ist.
Ist Nassfutter deshalb automatisch besser?
Nein. Auch beim Nassfutter gibt es große Qualitätsunterschiede.
Ein Nassfutter mit viel Wasser, minderwertigen Proteinquellen und großen Mengen schwer verdaulichem Bindegewebe ist nicht automatisch hochwertig, nur weil es aus der Dose kommt. Auch ein Futter, das hauptsächlich aus Muskelfleisch besteht, ist nicht zwangsläufig für eine dauerhafte Ernährung geeignet. Eine ausgewogene Hundeernährung benötigt neben Protein und Fett auch die richtigen Mengen und Verhältnisse an Mineralstoffen, Vitaminen und weiteren essentiellen Nährstoffen.
Nassfutter ist also nicht deshalb besser, weil es nass ist.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Qualität der gesamten Ration.
Ein hochwertiges Nassfutter kann allerdings mehrere ernährungsphysiologische Vorteile miteinander verbinden: einen hohen natürlichen Wassergehalt, hochwertige tierische Proteinquellen, eine hohe Verdaulichkeit und eine Zusammensetzung, bei der nicht allein die technischen Anforderungen der Herstellung bestimmen, welche Zutaten eingesetzt werden.
Und genau hier wird der Vergleich interessant.
Was kommt tatsächlich beim Hund an?
Am Ende ist die Frage nach Nass- oder Trockenfutter weniger eine Frage der Bequemlichkeit als eine Frage der Verwertung.
Ein Trockenfutter kann den Nährstoffbedarf eines Hundes grundsätzlich decken. Aber „bedarfsgerecht“ bedeutet nicht automatisch, dass alle Nährstoffe ebenso gut verwertet werden wie bei einer hochverdaulichen Nahrung.
Wenn ein Futter zu 75 bis 85 Prozent verdaut wird und ein anderes zu über 90 Prozent, bedeutet das: Von der gefütterten Ration kommt beim zweiten Futter mehr beim Hund an.
Mehr verwertbare Nährstoffe bedeuten weniger unverwertbare Bestandteile, die ausgeschieden werden müssen. Das kann sich deutlich in der Kotmenge bemerkbar machen.
Für mich als Tierernährungsberaterin ist deshalb die Qualität der gesamten Ernährung entscheidend. Wenn es möglich ist, empfehle ich BARF oder Trocken-BARF, sofern die Ration fachgerecht zusammengestellt ist, ein sehr gutes Nassfutter oder auch selbst gekochte Rationen.
Für eine unkomplizierte, ausgewogene Ernährung ist Anouvelle eine Möglichkeit, dem Hund eine hochwertige Ration zu bieten, die ihn mit allem versorgt, was er für seine Ernährung benötigt.
Denn am Ende zählt nicht, wie überzeugend ein Futter beworben wird. Entscheidend ist, was der Hund daraus tatsächlich bekommt.
