4. April 2026
Roh- und Zusatzstoffe im Hundefutter – was wirklich enthalten ist
Die Zusammensetzung von Hundefutter wirkt auf den ersten Blick oft klar.
Erst bei genauerem Hinsehen wird deutlich, wie unterschiedlich die verwendeten Roh- und Zusatzstoffe tatsächlich sind.
Um Futter richtig beurteilen zu können, ist es wichtig zu verstehen, welche Bestandteile verwendet werden und welche Funktion sie erfüllen.
Fleisch und tierische Nebenprodukte
Als Fleisch wird in der Regel gut verdauliches Muskelfleisch bezeichnet.
Es enthält hochwertige Proteine und essenzielle Aminosäuren.
Tierische Nebenprodukte umfassen alle Teile des Tieres, die amtsärztlich untersucht wurden, aber üblicherweise nicht vom Menschen verzehrt werden.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Innereien
- Pansen
- Herzmuskelfleisch
- Schweinerüssel, Ohren oder Zungen
- Luft- und Speiseröhren
Nebenprodukte können jedoch auch weniger hochwertige Bestandteile enthalten, wie:
- Stichfleisch
- Euter
- entleerte Schweinsblasen
- Häute, Felle
- Hufe, Hörner, Borsten oder Federn
Die Bezeichnung allein sagt daher nichts über die tatsächliche Qualität aus.
Grieben – proteinreich, aber eingeschränkt verwertbar
Grieben entstehen bei der Herstellung von Schmalz oder Talg.
Sie sind fetthaltig und enthalten viel Protein, jedoch im Vergleich zu Muskelfleisch und Innereien nur wenige essenzielle Aminosäuren.
Damit sind sie als alleinige Proteinquelle weniger geeignet.
Fette im Hundefutter
In Fertigfuttern werden sowohl tierische als auch pflanzliche Fettquellen verwendet.
Typische tierische Fette sind:
- Rindertalg
- Schweineschmalz
- Geflügelfett
- Fischöl
Eine Fettquelle darf nur dann namentlich genannt werden, wenn ausschließlich diese verwendet wird.
Bei Diätfuttern oder Futtern für allergische Hunde muss die Fettquelle klar deklariert werden.
Pflanzenöle und ihre Eigenschaften
Pflanzenöle werden durch Extraktion aus Samen oder Körnern gewonnen.
Häufig verwendet werden:
- Sonnenblumenöl
- Maisöl
- Distelöl
- Sojaöl
Auch hier gilt:
Wird ein Öl namentlich genannt, darf nur dieses enthalten sein.
Leinöl nimmt eine besondere Rolle ein.
Es enthält einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren (ca. 60–70 %) und Alpha-Linolensäure.
Haltbarkeit von Fetten und Ölen
Fette und Öle sind nur begrenzt haltbar.
Vor allem Pflanzenöle neigen dazu, zu oxidieren und ranzig zu werden.
Das beeinflusst nicht nur den Geschmack, sondern kann auch zur Bildung freier Radikale führen.
Um dies zu verhindern, werden Antioxidantien zugesetzt.
Vitamine und Mineralstoffe
Die verwendeten Rohstoffe enthalten bereits Vitamine und Mineralstoffe.
Durch Erhitzen und Lagerung können diese jedoch teilweise verloren gehen.
Deshalb werden sie häufig nachträglich zugesetzt und als ernährungsphysiologische Zusatzstoffe deklariert.
Ein Risiko besteht dann, wenn zusätzlich Ergänzungsfuttermittel gegeben werden.
Eine Überversorgung kann entstehen, da sich einige Vitamine und Mineralstoffe gegenseitig beeinflussen und die Verdauung belasten können.
Tierische Proteine und ihre Herkunft
Übliche tierische Proteinquellen sind:
- Rind
- Schwein
- Schaf
- Kaninchen
- Pferd
- Fisch
Bei Geflügel werden vor allem Huhn, Ente und Gans verwendet.
Viele Futtermittel enthalten Fleischnebenprodukte wie:
- Geflügelmehl
- Fleischmehl
- Knochenmehl
Dabei handelt es sich häufig um das gesamte Tier – einschließlich weniger hochwertiger Bestandteile.
Proteinhydrolysate – aufgespaltene Proteine
Proteinhydrolysate sind technisch aufgespaltene Eiweiße.
Sie werden eingesetzt, um:
- die Verdaulichkeit zu verbessern
- den Geschmack zu verstärken
Auch Proteine aus bindegewebsreichen Bestandteilen wie Fellen, Hufen oder Schuppen können so besser verwertet werden.
Sie kommen hauptsächlich in Trockenfutter vor und können sowohl aus tierischen als auch aus pflanzlichen Quellen stammen.
Pflanzliche Proteinquellen
Auch pflanzliche Bestandteile liefern Eiweiß.
Häufig verwendet werden:
- Mais und Maismehl
- Maiskleber
- Soja
- Hülsenfrüchte wie Erbsen oder Bohnen
Diese liefern jedoch im Vergleich eine geringere Proteinqualität.
Stehen solche Bestandteile an erster Stelle der Deklaration, ist der Anteil an tierischem Protein meist gering.
Soja enthält zwar alle essenziellen Aminosäuren, enthält aber auch schwer verdauliche Zuckerverbindungen.
Diese können die Verdauung belasten.
Kohlenhydrate und Faserstoffe
Konventionelle Futtermittel enthalten häufig:
- Weizen
- Reis
- Mais
- Hafer
Zunehmend werden auch:
- Gerste
- Kartoffeln oder Süßkartoffeln
- Amaranth
eingesetzt.
Auch Melasse (Zuckersirup) wird teilweise verwendet.
Ballaststoffe und ihre Funktion
Ballaststoffe bestehen überwiegend aus unverdaulichen pflanzlichen Bestandteilen.
Typische Quellen sind:
- Weizen- und Haferkleie
- Reiskleie
- Zellulose (z. B. aus Stroh oder Erdnussschalen)
Ein Teil dieser Ballaststoffe ist fermentierbar.
Diese können im Darm ein leicht saures Milieu schaffen und so das Wachstum unerwünschter Bakterien hemmen.
Gut fermentierbare Fasern sind zum Beispiel:
- Rübenschnitzel
- Trester aus Möhren oder Äpfeln
FOS – Unterstützung für den Darm
Fructooligosaccharide (FOS) gehören zu den fermentierbaren Kohlenhydraten.
Sie werden im Dickdarm vergoren und fördern das Wachstum von Bakterien, die als nützlich für den Darm gelten.
Diese wirken als Präbiotika und können:
- die Nährstoffaufnahme unterstützen
- das Darmmilieu beeinflussen
- das Immunsystem stärken
Fazit: Die Zusammensetzung entscheidet
Die Qualität eines Futters lässt sich nicht an einzelnen Begriffen festmachen.
Erst das Zusammenspiel aller Bestandteile zeigt, wie ein Futter aufgebaut ist und wie gut es vom Hund verwertet werden kann.
Wer Roh- und Zusatzstoffe versteht, kann Deklarationen besser einordnen und fundierte Entscheidungen treffen.
Mehr verstehen statt nur vergleichen
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